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Wir müssen reden - es ist Zeit für einen Relaunch.

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16. Dezember 2025

Relaunch. Es ist das Gespenst, das im Raum schwebt. Jeder nimmt es wahr. Jeder sieht es. Und trotzdem wird erst darüber gesprochen, wenn es zum Poltergeist wird. Als Projektmanager in einer Agentur ein dauerhaftes Thema im alltäglichen Umgang mit Kunden.

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Warum wir uns alle schwer tun

Sobald in einem Gespräch das Thema "Relaunch" fällt, steht plötzlich dieser Elefant im Raum. Ein Website- oder Shop-Relaunch ist komplex, zeitintensiv und dadurch teuer. Es kommt zu Fragen zu Prozessen und Strukturen. Probleme der Vergangenheit, die verdrängt wurden, treten plötzlich wieder ins Scheinwerferlicht, wo sie jeder sehen kann. Plötzlich müssen jahrealte Entscheidungen verargumentiert werden. Frühere Versäumnisse reißen alte Wunden auf.

Wenn ein Relaunch im Raum steht, wird die alte Seite plötzlich als "Fehlschlag" wahrgenommen. Dabei ist es völlig normal, die eigene Seite alle paar Jahre großflächig zu überdenken: es handelt sich, ganz wie ein Unternehmen selber, um ein dynamisches Produkt. Wir müssen uns loslösen von der Utopie eines perfekten Systems, das bis in alle Ewigkeiten besteht: so ein System gibt es nicht.

Vorboten eines Relaunches

Für Unternehmen kommt der Relaunch-Gedanke häufig beim Betrachten des Frontends auf. Häufig beschleicht sie das Gefühl, dass die angestaubte Optik nicht mehr zum Spirit der Firma passt. Dann machen sich die Verantwortlichen Gedanken über die gesamte Aussagekraft der Seite und ziehen entsprechende Schlüsse.

Das allererste Anzeichen für mich als technischen Projektmanager ist es, wenn Schätzungen für Feature Requests zunehmend schwieriger werden. Nicht, weil das Feature per se außerordentlich komplex ist - sondern weil es viele abhängige Funktionen gibt, die in dieses Feature reinspielen. Mit hinein spielen auch technische Schulden: weil selten Zeiten fürs Refactoring freigeräumt werden, ist der technische Stand irgendwann veraltet. Das ist gar nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine initial schlechte Programmierung - die Technik entwickelt sich einfach weiter und neue Features kommen aus dem Core von vielen Contentmanagement- und Shopsystemen hinzu und würden es erfordern, Anpassungen an eigenen Entwicklungen vorzunehmen. Doch die Investition in die Infrastruktur fällt häufig aus: einerseits, weil andere Themen gerade einfach wichtiger sind und andererseits - und das ist der häufigste Fall- ganz egal, wie gut wir als Agentur beraten - weil erst etwas unternommen wird, wenn der Code irgendwo wirklich versagt und es so zu sichtbaren Ausfällen kommt.

Relaunches bieten Chancen weit über die Website hinaus

Wenn das Wort "Relaunch" dann mal ausgesprochen und damit die Notwendigkeit akzeptiert wurde, beginnt aber eine neue, richtig tolle Phase. Denn jetzt darf einmal herumgesponnen werden. Ich erlebe es häufig, dass eine "alles neu"-Stimmung aufkommt und Ideen, die in der Vergangenheit aus vielerlei Gründen immer abgewiesen wurden, plötzlich Raum zur Entfaltung erhalten. Die Bestandsseite hat sehr viele Learnings hervorgebracht - zur Zielgruppe, zu den Produkten, zu den Prozessen. Und alle diese Learning können jetzt kanalisiert und in einen verbesserten Auftritt gesteckt werden. So sind Relaunch-Vorhaben nicht selten gleichzeitig auch Weiterentwicklungen des Geschäftsmodelles. Sie können ganze Geschäftszweige wieder zum Blühen bringen. Wir erkennen das an den Gesichtern unsere Ansprechpartner während der Projekte ganz deutlich: aus anfänglicher Skepsis entwickelt sich neue Motivation und ein Ehrgeiz, der sich in der Miene widerspiegelt.

Ich stelle als erstes immer die Frage: Würdest du das System heute noch einmal genau so bauen?

Patrick Meyer
webnetz Projektmanager im Web Development

Wann ist es denn nun Zeit für einen Relaunch?

Auf diese Frage stelle ich in aller Regel die folgende Gegenfrage:

"Würdest du das System heute noch einmal genau so bauen?"

In meiner bisherigen Laufbahn habe ich noch keinen Fall erlebt, in dem diese Frage ehrlich mit „ja“ beantwortet wurde. Die Gründe für ein „nein“ sind dabei jedoch ebenso facettenreich wie individuell. Aus diesem Grund habe ich auf Grundlage meiner beruflichen Erfahrungen eine Sammlung von Argumenten zusammengestellt, die in der Vergangenheit den Ausschlag dafür gegeben haben, einen Relaunch in Angriff zu nehmen.

KO-Kriterien

Wenn einer dieser Punkte zutrifft, ist ein Relaunch in der Regel sofort gerechtfertigt:

  • Sicherheits- oder Compliancegründe

  • Abhängigkeiten von alten / nicht mehr gepflegten Technologien

  • System erfüllt geschäftskritische Anforderungen nicht mehr

  • Performance- oder Skalierungsprobleme, die Umsatz oder Betrieb gefährden

Strategische Treiber

Diese Punkte rechtfertigen einen Relaunch, wenn mindestens zwei bis drei zusammenkommen:

  • Geschäftsbereiche oder Zielgruppen verändern sich

  • Neue Prozesse lassen sich nicht abbilden

  • Langsame Time-to-Market

  • Technische Schulden in relevantem Umfang

  • Weiterentwicklung ist schwierig oder teuer

UX- & Performance-Indikatoren

Diese Punkte sind einzeln oft kein Muss, in Kombination aber ein starkes Argument:

  • Schlechte Nutzererfahrung

  • Sinkende Conversion- oder steigende Absprungraten

  • Veraltetes Design

  • Performance-Probleme (nicht kritisch, aber spürbar)

Was lernen wir daraus?

Die Lebensdauer einer Website beträgt erfahrungsgemäß zwischen 3 und 5 Jahren. Relaunches sind daher kein Ausnahmeprojekt, sondern ein fester Bestandteil des Vertriebskanals Website oder Shop. Sie eröffnen neue Chancen – technologisch, gestalterisch und strategisch – und genau deshalb sollte das notwendige Budget von Anfang an mitgedacht und eingeplant werden.

Ich vergleiche das immer gern mit den Investitionen in eine Geschäftsstelle: Auch sie bleibt nicht über Jahre unverändert. Mal steht ein Umzug in größere Räumlichkeiten an, mal ein moderneres Interieur oder eine neue Schaufenstergestaltung. Ein Website-Relaunch folgt derselben Logik. Er ist kein Zeichen dafür, dass etwas „nicht funktioniert hat“, sondern Ausdruck von Weiterentwicklung, Wachstum und dem Anspruch, Kunden dauerhaft zeitgemäß zu erreichen. Erneuerung ist damit kein reiner Kostenfaktor, sondern eine strategische Investition in Reichweite, Effizienz und nachhaltigen Geschäftserfolg.

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Patrick Meyer

Web Development (E-Commerce)

T +49 4131 2143 922

E p.meyer@web-netz.de


Bildnachweise/Grafiken: webnetz (Patrick Meyer), iStock

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Autor/in

Patrick Meyer Web Development (E-Commerce)

Patrick ist Projektmanager im E-Commerce und die treibende Kraft hinter maßgeschneiderten, digitalen Erfolgsgeschichten. Von Möbeln über Agrar bis hin zu italienischen Delikatessen: Patrick bringt Kunden wie C+P Möbelsysteme, Fehlig GmbH, Andronaco, SewSimple und BPC an ihr digitales Ziel. In seiner Arbeit hat er immer das perfekte Nutzererlebnis im Blick. Privat liebt er es, Grenzen auszutesten – ob beim Triathlon, auf Wandertouren mit Zelt und Rucksack oder beim Gaming-Abenteuer - immer dabei seine vierbeinigen Begleiter.

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