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Özdemir vs. Hagel: Wie performen die Spitzenkandidaten bei der Wahl in Baden-Württemberg auf Social Media?

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4. März 2026

In den Umfragen am 3. März war der Vorsprung von CDU-Kandidat Manuel Hagel auf Cem Özdemir bis auf 1 % geschrumpft. Wie gewohnt steigt die Spannung noch einmal enorm in der letzten Woche vor dem Wahltag am 8. März. Spannend wird auch zu beobachten sein, wie sich die neue Regel auf die Wahl auswirkt: Für alle deutschen Staatsbürger, die mindestens seit drei Monaten mit Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg gemeldet sind, gilt erstmalig bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg das Wahlberechtigungsmindestalter nicht mehr ab 18, sondern ab 16 Jahren! Exakt ab dieser Altersgrenze soll auch zukünftig die Nutzung von Social-Media-Plattformen erlaubt werden, da sind sich beide Spitzenkandidaten einig: Grünen-Politiker Cem Özdemir ebenso wie CDU-Mann Manuel Hagel. Beide Protagonisten kämpfen um die Nachfolgeschaft des langjährig regierenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Der Kampf um den Chefsessel des Ministerpräsidenten im Amtssitz der Villa Reizenstein ist auch ein digitales Duell, eine Rivalität um Reichweite und Resonanz.

Welche Relevanz dabei der Social Media Kommunikation zukommt, wird sich finale am 8. März bei der Verkündigung der Wahlergebnisse zeigen. Vorab liefert diese datenbasierte Kurzanalyse von webnetz Performancewerte der Spitzenkandidaten nicht nur auf TikTok, der Bewegtbild-Plattform mit den meisten jungen Wahlberechtigten, sondern auch auf Facebook, Instagram und dem B2B-Kanal LinkedIn.

Dass Özdemir Vorteile bei den Wählern mit Blick auf Beliebtheit und Bekanntheit für das Ministerpräsidentenamt hat, ist eine These, die nicht nur der renommierte Politikberater Martin Fuchs im Interview mit „ZDF heute“ bestätigt.

Wie viel Bedeutung die Grünen den Social Media-Plattformen beimessen, dokumentiert dieses Carousel „Grüne Accounts pushen“, wo die Grünen den Algorithmus selbst zum Wahlkampfthema machen. Statt nur Inhalte zu posten, wird einfach erklärt, wie die Community die Reichweite pushen kann: aktiv mitklicken, kommentieren und Accounts folgen. Social Media wird hier nicht nur bespielt, sondern explizit als strategisches interaktives Kommunikationsmedium erklärt.

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LinkedIn-Duell: Youngster Hagel überrascht

Der wesentlich Jüngere der beiden Kontrahenten, der 37-jährige Manuel Hagel, hat auf LinkedIn deutlich mehr Follower als der 60-jährige Grünen-Politiker Cem Özdemir.

Den Vorsprung erarbeitet sich Manuel Hagel durch einen ausgesprochen aktiven Auftritt mit nahezu täglichen Beiträgen. In seinen Posts bildet er seinen politischen Kompass ab und adressiert seine Community regelmäßig direkt, etwa mit Beiträgen wie „Neue Kraft fürs Land“. Hier geht es zum Beitrag.


Facebook-Wahlkampf: Viel Resonanz auf beiden Seiten

Auf Facebook generieren sowohl Manuel Hagel als auch Cem Özdemir für die Plattform beachtliche Reaktionszahlen. In puncto Beitragsfleiß liegen beide gleichauf mit 168 und 171 Postings. Mit 163.000 Followern und 270.000 Reaktionen liegt Özdemir zwar deutlich vorne, doch Hagel kommt mit 14.000 Followern auf 129.000 Reaktionen – und erzielt damit gemessen an seiner deutlich kleineren Community ebenfalls eine starke Performance. Trotz mehr als 10-mal geringerer Followerzahl hält Hagel beim Engagement bemerkenswert gut mit.

Beide setzen auf Facebook inhaltlich auf eine ähnliche Linie wie auf Instagram, wobei Cem Özdemir auch hier etwas stärker mit pointierten und persönlichen Momenten arbeitet, während Manuel Hagel klarer im politischen Messaging bleibt. Hagel zeigt sich zudem regelmäßig im Schulterschluss mit prominenten CDU-Gesichtern wie Hendrik Wüst, etwa in diesem Beitrag.

Hier geht es zu einem typischen Özdemir-Video, in dem er einen Fußballverein besucht und den direkten Austausch vor Ort sucht.

In den Kommentaren wird bei beiden Politikern intensiv über ihren jeweiligen Regierungsstil und die Ausrichtung der Parteien diskutiert. Facebook fungiert hier sichtbar als Debattenraum und weniger als reine Selbstdarstellungsplattform.

Instagram: Deutlicher Vorteil für Özdemir

Fleißnoten verdienen sich beide Kandidaten: 189 Beiträge auf dem Account von Manuel Hagel stehen 165 auf dem von Cem Özdemir gegenüber. Dennoch herrscht großes Performance-Gefälle zugunsten des über Jahrzehnte in der Politik aktiven Grünen-Politikers.

Özdemirs Instagram-Auftritt wirkt gelungen. Er inszeniert sich volksnah, authentisch und immer wieder mit einem Augenzwinkern. Häufig teilt er kurze, prägnante Ausschnitte aus Talkshows oder Diskussionsrunden, in denen er klar Position bezieht und seine Argumente pointiert auf den Punkt bringt. Gleichzeitig bleibt der Content-Mix abwechslungsreich: Neben politischen Inhalten finden sich immer wieder leichtere, unterhaltsame Momente – etwa ein Reel, in dem er auf eine „Wer wird Millionär?“-Frage zu seiner eigenen Person reagiert. Solche Beiträge lockern das Profil auf und stärken die persönliche Bindung zur Community.

Manuel Hagel setzt auf eine deutlich klassischere politische Inszenierung. Sein Instagram-Account ist stark inhaltlich geprägt: Redenausschnitte, klare Botschaften, programmatische Aussagen – Humor oder private Zwischentöne spielen kaum eine Rolle. Hagel positioniert sich damit als sachorientierter Landespolitiker, der Haltung und Inhalte in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig versucht er vereinzelt, über gezielte Nähe-Momente zu punkten. Ein Beispiel dafür ist dieses Reel, als er einen Tag in einem Edeka-Markt mitarbeitet:

Özdemirs TikTok-Taktik geht auf

Cem Özdemir kommt mit 109 TikToks auf 6.4 Millionen Impressionen, während Manuel Hagel mit 130 Posts 1.2 Millionen Impressionen erzielt.

Auf TikTok verfolgen Cem Özdemir und Manuel Hagel klar unterscheidbare Strategien. Özdemir inszeniert sich als überparteilicher Demokrat und Vermittler, der politische Themen einordnet, Begegnungen hervorhebt und an Zusammenhalt appelliert. Sein Auftritt wirkt staatsmännisch, reflektiert und auf größere Linien ausgerichtet.

Hagel dagegen nutzt TikTok stärker als klassische Wahlkampfbühne. Er positioniert sich als pragmatischer Anpacker, grenzt sich von Verbotspolitik ab und betont Eigenverantwortung sowie klare politische Alternativen. Während Özdemir auf verbindende Narrative setzt, arbeitet Hagel stärker mit Zuspitzung und Abgrenzung.

Die Wahlberechtigung ab 16 befürwortend, grüßt euch

Friedhelm / webnetz

 

Quellen:

https://www.landtagswahl-bw.de/wahlrecht

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tiktok-social-media-verbot-forderung-oezdemir-100.html

https://www.handelsblatt.com/dpa/landtagswahl-2026-das-muss-man-zur-landtagswahl-in-baden-wuerttemberg-wissen/100204584.html

https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/hagel-oezdemir-landtagswahl-baden-wuerttemberg-fuchs-100.html

https://www.swr.de/swraktuell/wahlen/landtagswahl/taktisches-waehlen-landtagswahl-2026-wer-profitieren-koennte-100.html#profitieren

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_101141520/bw-wahl-26-die-gruenen-holen-in-neuer-umfrage-auf-cdu-auf.html

https://www.bild.de/regional/baden-wuerttemberg/das-sagt-eva-mit-den-rehbraunen-augen-ueber-cdu-kandidat-manuel-hagel-69a488cef1c66fa7d695a9e9

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Autor/in

Friedhelm Mienert Public Relations

Friedhelm feiert bei uns seit 2017 sein Comeback in der Agenturwelt. Einst zwei Jahrzehnte lang im Zusammenspiel mit klassischen Marketingpartnern erprobt, greift der leidenschaftliche Fußballliebhaber nun in der Tiefe des WWW-Raumes an, um digitale Doppelpässe zu zelebrieren. Auch seine Erfahrung als Journalist und PR-Mann bringt der dreifache Familienvater im webnetz-Team mit ein. Der begeisterte Läufer schwärmt für Amateursportler, die alles geben, was in ihnen steckt.

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