LinkedIn für Marketer: Die wichtigsten Trends 2026
2026 wird LinkedIn noch einmal interessanter. Es gibt einige neue Features und Entwicklungen, die wir unbedingt im Blick behalten sollten, wenn wir in der LinkedIn-Welt sichtbar bleiben wollen.
Mit dem neuesten Algorithmus-Update hat LinkedIn einen weiteren Schritt in Richtung Interest Graph statt Social Graph gemacht. Das bedeutet: Relevanz und echtes Interesse schlagen zunehmend reine Reichweite durch Verbindungen. Für Corporate Influencer kann das die gewohnte Sichtbarkeit komplett auf den Kopf stellen.
Welche neuen Chancen und Möglichkeiten sich daraus ergeben, erfahrt ihr in diesem Artikel.
1. Mehr KI-Funktionen auf LinkedIn
LinkedIn hat 2025 massiv in KI-Funktionen investiert. Jetzt gibt es KI-gestützte Helfer für alles – von Profiltexten über Posts bis hin zu Nachrichten. Nicht immer nötig.
Der Haken: KI ist cool und smart, aber sie braucht unbedingt noch unseren persönlichen Touch.
2. LinkedIn wird relevanzgetriebener – und das merkt man inzwischen deutlich
Jetzt wird es spannend: Viele sprechen in diesem Zusammenhang vom „360Brew-Update“, weil LinkedIn seine Ranking- und Empfehlungssysteme in den vergangenen Monaten sichtbar weiterentwickelt hat. Ganz genau genommen gab es aber nicht das eine große, klar abgegrenzte Feature-Update, sondern eher eine technologische Weiterentwicklung im Hintergrund, bei der KI-gestützte Modelle Inhalte, Profile und Interaktionen stärker im Zusammenhang bewerten. LinkedIn selbst beschreibt 360Brew als Forschungsmodell für personalisiertes Ranking und Empfehlungen, also eher als Systembasis als als klassisches Nutzer-Feature.
Für uns heißt das: LinkedIn schaut heute stärker darauf, wie relevant ein Beitrag für bestimmte Menschen sein könnte, wie klar ein Profil thematisch aufgestellt ist und ob Inhalte erkennbar zu einer fachlichen Richtung passen. Likes und Kommentare spielen natürlich weiterhin eine Rolle, aber eben nicht mehr isoliert. Wer regelmäßig zu klaren Themenfeldern postet, sein Profil sauber positioniert und Inhalte veröffentlicht, die wirklich zur eigenen Expertise passen, hat bessere Chancen, bei den richtigen Menschen sichtbar zu werden. Es geht also weniger um reine Masse und deutlich mehr um Passung, Kontext und nachhaltige Interaktion.
3. Reichweite auf LinkedIn eingebrochen? Meist passiert etwas anderes
Die Aufregung ist schnell groß, wenn Reichweiten plötzlich schwanken oder Beiträge nicht mehr so breit ausgespielt werden wie früher. Tatsächlich deutet aber vieles darauf hin, dass LinkedIn Inhalte heute selektiver verteilt und stärker nach erwarteter Relevanz sortiert. Das fühlt sich im ersten Moment schnell wie ein Reichweitenverlust an, bedeutet aber nicht automatisch, dass Inhalte „vom Algorithmus abgestraft“ werden. Häufig verschiebt sich die Ausspielung schlicht in Richtung der Personen, für die ein Thema wirklich interessant ist.
Genau deshalb ist die reine Followerzahl heute kein verlässlicher Garant mehr für hohe Impressions. Wenn LinkedIn stärker nach Interessen, Themenbezug und Interaktionswahrscheinlichkeit ausspielt, kann ein Account mit vielen Followern trotzdem an Breite verlieren, wenn die Inhalte zu allgemein, zu beliebig oder zu wenig anschlussfähig sind. Umgekehrt kann ein Beitrag mit vergleichsweise weniger Views deutlich wertvoller sein, wenn er die richtigen Menschen erreicht und echte Reaktionen auslöst. Anders gesagt: Nicht jede kleinere Reichweite ist ein Problem — manchmal ist sie einfach nur zielgerichteter.
Was bedeutet das konkret?
Followerzahl allein zählt nicht mehr.
Früher war die Zahl der Follower ein wichtiger Indikator dafür, wie viele Impressions ein Post erzielt – ein Account mit 10.000 Followern hatte automatisch eine größere Reichweite. Das ist jetzt nicht mehr so. Nur weil wir viele Follower haben, heißt das nicht automatisch, dass wir eine entsprechend hohe Reichweite generieren. Die Impressions verschieben sich hin zu Content, der tatsächlich Resonanz erzeugt – also Interesse weckt und eine relevante Zielgruppe anspricht.
In anderen Worten: Die Zeiten, in denen mittelmäßiger Content noch viel Reichweite brachte, sind vorbei.Die Qualität des Contents zählt mehr als je zuvor.
Die Reichweite wird nicht insgesamt kleiner oder „absichtlich vom Algorithmus“ limitiert, sondern LinkedIn fokussiert sich stärker auf Qualität und Resonanz. Die gute Nachricht: Die Reichweite verschiebt sich zu den Inhalten, die wirklich zu den Interessen der Zielgruppe passen und Diskussionen anstoßen. Ein Post mit 2.000 Views kann viel wertvoller sein als ein Post mit 20.000, wenn die richtigen Leute reagieren.
Pro-Tipp für Creator und Teams
1) Nicht nur Reichweite messen – sondern Engagement-Rate & Content-Qualität pro Impression analysieren.
Die bloße Zahl der Views sagt wenig über den Erfolg eines Beitrags. Stattdessen sollten wir uns anschauen, wie das Engagement aussieht: Wird kommentiert, geteilt, gespeichert? Ein Post, der 2.000 Views erzeugt, aber dafür zahlreiche wertvolle Interaktionen mit der Zielgruppe generiert, kann viel mehr Wert bringen als ein Post, der nur wegen hoher Followerzahl eine große Reichweite erzielt. Fokus: Qualität der Interaktionen, nicht nur Zahlen.
2) Content Testing zählt mehr denn je.
Testen, testen, testen – und zwar systematisch. Es reicht nicht mehr, einfach nur mehr zu posten, in der Hoffnung, dass irgendetwas funktioniert. Stattdessen sollten wir verschiedene Formate, Hooks und Themen ausprobieren, um herauszufinden, was aktuell wirklich funktioniert:
Text-only vs. Text + Bild vs. Video-Post vs. Carousel – jedes Format hat eigene Vorteile.
Welche Formate bringen die höchste Engagement-Rate? (Wer reagiert am meisten?)
Welche Hooks (z. B. Fragen, Aussagen, provokante Themen) sorgen für Kommentare und Shares?
Welche Themen sorgen für mehr Reichweite und werden weiterhin ausgespielt?
Also: Mehr von dem, was funktioniert – und weniger von dem, was keine Resonanz erzeugt. Genau diese Erkenntnisse sind der Schlüssel, um die Reichweite wieder zu steigern.
4. Die Company Page als Content-Hub
Company Pages auf LinkedIn sollten nicht einfach nur eine Ansammlung von Firmennews sein – sie sollten als fokussierte Landingpage im Feed agieren (mit Hebelwirkung). Klar positioniert, mit wiedererkennbaren Formaten, starker Mitarbeitereinbindung und klar definierten Content-Pillars, die mehr bieten als nur Firmennews.
Die Company Page ist die Visitenkarte eines Unternehmens und sollte deshalb professionell und konsistent aufgebaut sein:
Profil sauber ausbauen: Professionelles Logo, aktuelles Titelbild, aussagekräftige „Info“-Sektion mit klarer Positionierung und relevanten Keywords.
Richtige Call-to-Action: Buttons und Links (Website, Kontakt etc.), regelmäßig an Kampagnen anpassen.
Strategische Einbindung von Mitarbeitenden: Für den größten organischen Reichweiten-Boost die Company Page strategisch mit Corporate Influencern/Thought Leadern (Führungskräften und Expert:innen) verknüpfen.
5. Die richtigen Content-Pillars für die Company Page
Oft kritisiert: der „tote“ Content auf Unternehmensseiten. Konzentrieren wir uns lieber auf Content-Pillars, die die Zielgruppe wirklich ansprechen, statt nur Fach-PR zu pushen.
Bewährte Pillars:
Zielgruppen-Alltag & Probleme: Typische Herausforderungen, Beispiele, Memes oder kurze Stories.
Proof & Social Proof: Kundenstories, Use Cases oder Benchmarks – immer mit echtem Mehrwert.
Produkt & How-to: Features erklären, kurze Tutorials („So geht’s“), Before/After, Roadmap-Einblicke. Nutzer:innen wollen nicht nur Resultate, sondern auch Denke und Überlegungen dahinter sehen – und spüren, wie Zusammenarbeit im Projekt wäre.
People & Culture / Employer Branding: Mitarbeitenden-Vorstellungen, Einblicke in den Arbeitsalltag, Recruiting-Insights.
Branchen-Insights & Thought Leadership: Markttrends, Studien, Kommentare des Managements.
Praktikable Verteilung im B2B-Kontext:
40 % edukativ (Insights, How-to), 40 % Proof (Cases, Kundenerfolge), 20 % konvertierend (Events, Demos, Jobs, Angebote).
Wichtig: Bei der Nutzung der Company Page eine Content-Hub-Strategie verfolgen. Die Seite ist der Ausgangspunkt – Mitarbeitende teilen Inhalte, kommentieren und bauen mit. Die Company Page soll als Lead-Generator dienen, nicht nur als „Visitenkarte“.
6. Formate und Umsetzung
Mix aus Formaten: Textposts, Carousels/Slides, Kurzvideos, Bildposts, Events und ggf. Live-Formate – je nach Ressourcen.
Wiederkehrende Serien: z. B. „Kundenfrage der Woche“, „Inside Projekt XY“, „Job der Woche“, „Chart des Monats“ – damit die Page nicht beliebig wirkt.
Vertical-/Kurzvideos: Können auch von Personen über die Company Page geteilt werden (Vorteil im Algorithmus) und erzeugen mehr Interaktion auf Mobilgeräten.
7. Community, Mitarbeitende und Analytics
Mitarbeitende aktiv einbinden: Klare Guidelines und vorbereitete Assets, damit Mitarbeitende wissen, wie sie sich als Corporate Influencer/Thought Leader einbringen können. Social Selling und persönliches Profil ebenfalls thematisieren.
Employee Stories, Spotlights und Meilensteine posten: Stärkt Employer Brand und Identifikation.
LinkedIn-Analytics im Blick: Monatliche Analysen sind unerlässlich. Wissen, welche Formate Reichweite & Engagement bringen und welche Posts tatsächlich Leads und Bewerbungen generieren.
8. Was bedeutet das für uns Marketer?
Wenn wir LinkedIn richtig nutzen wollen, sollten wir auf ein paar Dinge achten:
Bleiben wir wir selbst: KI als Unterstützung nutzen, Posts aber mit persönlicher Note versehen. Wer will schon einen komplett KI-generierten Text lesen?
Thema wählen und dranbleiben: Um als Expert:innen wahrgenommen zu werden, regelmäßig zu einem Thema posten und drei bis fünf Kernbotschaften kommunizieren: Klarheit und Expertise.
Videos sind ein Muss: Kurze vertikale Videos, klar und verständlich, werden 2026 Trend. Wer es noch nicht probiert hat, sollte es jetzt tun – der Feed liebt es!
Auf die richtigen Metriken achten: Nicht nur Likes checken. Wichtiger sind Profilbesuche, Anfragen und Leads aus der Zielgruppe.
Fazit
Wenn Unternehmen eine Company Page betreiben, sollte sie nicht nur als „Landingpage“ fungieren, sondern als Content Hub verstanden werden – vom Produkt über Employer Branding bis hin zu echten, relevanten Insights. Wenn wir das richtig anstellen, können wir die Reichweite steigern und die Page zu einem Lead-Generator machen.
Autor/in
Philip Bolognesi Social Media Marketing
Philip ist bei uns als Social Media Manager aktiv, studierter Kommunikationswissenschaftler und nun seit mehreren Internetzeitaltern in der Social-Media-Welt zuhause. Dort unterwegs als Online-Redakteur, Konzepter und Berater hat er u.a. Thought Leader sowie CEOs auf LinkedIn positioniert und ist ein richtiges Agenturkind. Wenn er nicht gerade Strategien für unsere B2B-Kunden schärft (etwa Profibus und das Johanniter Bildungswerk), steht er in der Halle an der Tischtennisplatte, sitzt auf seinem Gravelbike oder schwingt seine neue erworbenen Kettleballs durch die Luft - die er letztens unter großer Anstrengung aus der Paketstation gefischt hat.