Zum Inhalt springen

Iran-Krieg: Wie Werbetreibende jetzt reagieren müssen

|
11. März 2026

Die Ereignisse der letzten Tage haben deutlich gemacht: Wir befinden uns in einer Phase massiver globaler Verschiebungen, die weit über die Schlagzeilen hinausgehen. Ob unterbrochene Lieferketten, schwankende Energiepreise oder eine spürbare Veränderung im Konsumverhalten – die aktuelle Lage im Nahen Osten ist kein isoliertes, regionales Ereignis mehr, sondern ein Faktor, der das digitale Marketing weltweit quer durch alle Branchen beeinflusst.

Kurzfristig besonders drastisch zeigt sich dieser Wandel in der Tourismusbranche: Während die Sehnsucht der Menschen nach Erholung und Auszeit ungebrochen bleibt, und auch in manchen Bundesländern Ferien sind bzw.bevorstehen, fallen einige beliebte Touristenregionen momentan als sichere Reiseorte weg.

Für Online-Marketing-Agenturen und Werbetreibende bedeutet das: Agilität ist das Gebot der Stunde. Wer jetzt starr an seinen Redaktionsplänen festhält und die veränderte Psychologie der Reisenden ignoriert, riskiert nicht nur Budget-Verluste, sondern auch einen massiven Image-Schaden. Hier ist unsere Analyse der aktuellen Lage und die Strategie für die kommenden Wochen – mit einem besonderen Fokus darauf, wie du deine Reise-Kampagnen jetzt sensibel und erfolgreich umsteuerst.

Inhalt

1. Akuthilfe: Brand Safety & Tonalitäts-Check

Die Dynamik des Suchverhaltens erfordert jetzt ein hybrides Management aus KI und menschlicher Expertise.

Bei Google Ads, dem Werbesystem des Internetriesen Google, welches zentral auf dem Einbuchen von Keywords und Zielgruppen basiert, liegt die Herausforderung in der Unvorhersehbarkeit neuer Suchmuster: Während klassische Keyword-Negativ-Listen in Google Ads zwar Standardanfragen zu Stornierungsbedingungen oder Krisenbegriffen zuverlässig abfangen und so unnötige Klickkosten vermeiden, entstehen in einer solchen Lage täglich gänzlich neue Suchkombinationen. Besonders bei der Nutzung von KI-gestützten Kampagnentypen wie Performance Max (PMax), die durch ihren explorativen Charakter bewusst breiter in die Ausspielung gehen und nicht nur die eingebuchten Keywords als Basis nehmen, steigt das Risiko für thematisch unpassende Platzierungen rapide an. In diesem Umfeld ist ein rein automatisiertes Setup riskant; eine engmaschige, manuelle Analyse der Suchbegriffsberichte und ein proaktives Nachjustieren der Kampagnen-Parameter sind derzeit unabdingbar, um die Budgeteffizienz und die Markensicherheit zu gewährleisten.

Skripte, Regel und auch Tools helfen uns dabei, die Entwicklung in den Konten im Blick zu behalten und mögliche Ausreisser schnell zu identifizieren.

Aber auch die Anzeigentexte und Creatives benötigen einen Check-Up. Slogans wie „Einschlagen wie eine Bombe“ oder „Explosive Angebote“ sind aktuell absolut tabu. 

Ein besonderes Augenmerk muss auf der automatisierten Ausspielung von Bannern und Videos im Google Display Netzwerk liegen. In hochvolatilen Phasen reicht das einfache Blacklisting von Placements oft nicht aus, um die Markenreputation zu schützen. Daher sollte man jetzt zwingend die Einstellungen zur „Eignung von Inhalten“ (Content Suitability) auf Kontoebene überprüfen. Schließt hier proaktiv sensible Kategorien wie „Konflikte und Katastrophen“ sowie „Sensible soziale Themen“ aus. Eine Garantie ist es aber leider nicht. 

Durch diese präventive Maßnahme verhindert ihr, dass die Displayanzeigen in direkter Nachbarschaft zu Berichten über militärische Operationen oder Katastrophenmeldungen erscheinen. In einem solchen Umfeld ist die psychologische Aufnahmebereitschaft der Nutzer für kommerzielle Botschaften nicht nur minimal, sondern das Risiko eines massiven negativen Imagetransfers – die unbewusste Verknüpfung eurer Marke mit Leid und Krise – ist am höchsten.

2. Strategischer Shift: Reise-Marketing sensibel umsteuern

Besonders die Reisebranche steht vor einer Herausforderung. Während Destinationen im Nahen Osten und Teile Nordafrikas (Ägypten, Jordanien) derzeit massive Stornierungen erleben beziehungsweise eine Stagnierung an Buchungen, bleibt das Bedürfnis der Menschen nach Erholung bestehen. Hier gilt es, in euren Anzeigen Sicherheit als USP zu platzieren.

Alternative Destinationen bewerben

Richtet euren Fokus auf Regionen, die Stabilität und Sicherheit ausstrahlen, z.B. Regionen am westlichen Mittelmeer, in Nordeuropa und auch die DACH-Region. Legt den Fokus auf die Bewerbung von “bodenständigem” und sicheren Urlaub. 

Dies könnt ihr entweder tun, indem ihr bestehenden Kampagnen mehr Budget zuordnet, oder neue Kampagnen aufsetzt und z.B. auch den Midfunnel stärkt, also auch neue Kunden ansprecht, die noch nicht conversionbereit sind. 

Ihr macht bereits Affiliate Marketing? Super, dann sind Platzierungen auf Cashback-Seiten sehr sinnvoll, da die Kunden noch preisbewusster sind und versuchen zu sparen. Durch die Bewerbung eines hohen Reisecashbacks kann man sich vom Wettbewerb abheben.

Den Middle Funnel stärken

In Krisenzeiten verlängert sich die Entscheidungsphase (Customer Journey). Nutzer sind verunsichert. Nutzt den Middle Funnel, um Vertrauen aufzubauen:

  • Content: Informiert über flexible Stornierungsbedingungen und Reiseschutz-Versicherungen.

  • Social Proof: Zeigt aktuelle, friedliche Bilder aus den Zielregionen.

  • Retargeting: Sprecht Nutzer an, die nach „Sicher reisen 2026“ suchen, gezielt mit informativen statt rein abverkaufsorientierten Ads

Dein Mittel der Wahl in der Reizüberflutung: Warum du jetzt auf Audio Ads setzen solltest

Wenn die visuellen Feeds bei Instagram, TikTok oder auf News-Portalen von harten Fakten und beunruhigenden Bildern dominiert werden, stoßen klassische Display-Ads oft an ihre Akzeptanzgrenze. Genau hier schlägt die Stunde von Audio Ads. Warum? Weil du deine Zielgruppe in einem völlig anderen psychologischen Zustand erreichst – im „Lean-back“-Modus, beim Kochen, im Gym oder im Auto.

Audio ist ein Medium des Vertrauens. Über Podcasts, Digitalradio oder Musikstreamingdienste baust du eine Nähe auf, die ein Banner niemals erreichen kann. In einer Phase, in der viele Menschen vom „Doomscrolling“ am Bildschirm erschöpft sind, bietet Audio einen Rückzugsort. Nutze diesen Kanal, um als Marke Ruhe und Verlässlichkeit auszustrahlen. Besonders für die Reisebranche ist das eine riesige Chance: Statt mit lauten „Last Minute“-Preisen zu schreien, kannst du mit einer warmen, empathischen Sprecherstimme das Bedürfnis nach Sicherheit und einer wohlverdienten Auszeit in stabilen Regionen thematisieren.

So spielst du Audio Ads jetzt strategisch aus:

  • Fokus auf den Middle Funnel: Nutze Audio nicht für den harten Abverkauf, sondern um die Berührungsängste zu nehmen. Erzähle davon, wie unkompliziert und sicher ein Urlaub in Skandinavien oder auf den Kanaren aktuell ist. Du begleitest den Hörer in seinem Entscheidungsprozess, ohne aufdringlich zu wirken.

  • Schnelligkeit ist dein Asset: Ein großer Vorteil für dich als Advertiser: Ein Audio-Skript ist in 30 Minuten geschrieben und kurzfristig professionell vertont. Wenn sich die Nachrichtenlage ändert, kannst du deine Botschaft fast in Echtzeit anpassen. Bei aufwendigen Videoproduktionen hättest du hier längst verloren.

3. Die neuen Profiteure der Krise: B2B & Tech

Die wirtschaftlichen Verwerfungen vom Wochenende (Ölpreis über 115 USD) schaffen auch neue Bedarfe. Wer in den folgenden Branchen tätig ist, sollte seine Budgets jetzt hochfahren:

  • Energy-Efficiency Tech: Unternehmen suchen händeringend nach Wegen, ihre explodierenden Energiekosten zu senken. B2B-Kampagnen für Solar, Wärmepumpen und Energiemanagement-Software sind jetzt hocheffektiv.

  • Cybersecurity: Mit dem physischen Krieg geht ein Cyberkrieg einher. Die Nachfrage nach Schutz vor staatlich gesteuerten Hackerangriffen ist bei KMUs massiv gestiegen.

  • Regionale Logistik: Da die Seefracht um Afrika herumgeleitet wird, werden lokale Lagerkapazitäten und Schienentransporte zum strategischen Vorteil.

Fazit: Agilität schlägt Perfektion

Die Lage im März 2026 ist dynamisch. Was heute als Strategie gilt, kann morgen durch eine neue Eilmeldung in den Nachrichten überholt sein. Für uns bedeutet das: Engmaschiges Monitoring der News-Lage und tägliche Abstimmung der Kampagnen-KPIs.

Ihr benötigt Hilfe? Meldet euch gerne bei uns! 


Katharina Knolle


Bildnachweis Titelbild: Mit generativer KI erstellt

Gefallen? Dann einfach teilen!

Autor/in

Katharina Knolle Paid Media Marketing

Katharina ist zertifizierte Google Ads Spezialistin und Strategische Leitung des PMM-Teams von webnetz. Nach ihrer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau studierte sie BWL und E-Business an der Leuphana Uni Lüneburg. Hier trat dann auch das Thema Google Ads in ihr Leben - bei der Google Online Marketing Challenge. Seitdem kommt Katharina nicht mehr davon los. Als Speakerin teilt sie regelmäßig auf Bühnen ihr Wissen und gibt im webnetz Snacks Podcast hilfreiche Tipps aus der Praxis für die Praxis.

Webinare

Kommende Webinare passend zum Thema