DFB, Frankreich, England, Brasilien & Co.: webnetz ermittelt vor der Fußball-WM das Fan-Engagement auf Social Media
Wenn am 11. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, hoffen alle Nationalmannschaften auf größtmöglichen Support ihrer Nation. Da sich auf Social Media das Engagement der Follower und Fans datenbasiert abbilden lässt, hat webnetz wieder einen Form-Check erarbeitet, der einerseits die Anzahl der Fans auf Instagram, Facebook und TikTok ermittelt und andererseits die Resonanz der Follower auf den Content misst. Letztere Wertungskategorie bildet also gleichbedeutend ab, wie animierend der Content auf den Accounts der Nationalmannschaften und wie stark das Interesse der Fans an diesen Beiträgen ist.
Die Schere zwischen „Wer kommuniziert sich ins Abseits? Und welche Nationen stellen sich in der Kommunikation weltmeisterreif auf?“ ist breit.
Dass sich auf Social Media User Reaktionen zwischen Kopfschütteln, Unmut, Ablehnung und Zuspruch entladen ist die eine Seite. Andererseits hat Social Media auch eine hohe Bedeutung im Zentrum der Marketing- und Kommunikationsklaviatur, wie die aktuelle Publicis-More-Studie belegt - und Spobis berichtet:
„Jüngere Zielgruppen wie Gen Z und Gen Y bekunden verstärktes WM-Interesse, womit Social Media, allen voran TikTok, an Bedeutung gewinnt… Social Media wird zunehmend zum festen Bestandteil der WM-Begleitung und erreicht in der Gen Z über 50 Prozent. Plattformen liefern Highlights, Zusatzcontent und Interaktion in Echtzeit… Social Media erweitert das Nutzungserlebnis als Second Screen und als dynamische Verlängerung der Live-Übertragung“.
Dieser Performance Check ermittelt datenbasiert die Social Media-Form der Top 11 der Fußballnationen der FIFA-Weltrangliste. Zudem erfasst dieser WM-Check auch die deutschen Gruppengegner: Ecuador, Elfenbeinküste und Curacao. Ergänzend wird skizziert, ob und wie sich der Weltstar-Faktor von Messi, Ronaldo und Neymar auf den Accounts ihrer Nationalteams auswirkt.
Spoiler: Während der amtierende Weltmeister Argentinien um Superstar Messi die schwächste Performance auf TikTok offenbart und auch auf Insta und Facebook der Sturm auf‘s Treppchen misslingt, rockt Marokko alle Resonanz-Rankings und bestätigt damit seinen sportlichen Geheimfavoriten-Status. Deutschland ist nur auf TikTok in Endspiel-Form, auf Facebook herrscht absolute Flaute und auf Instagram zeigt uns Gruppengegner Ecuador die Grenzen auf.
Causa Neymar Jr.: Schnappatmung auf dem Brasilien-Account?
Da die überraschende Nominierung von Neymar Jr. durch Brasilien-Chefcoach Ancelotti erst am 18. Mai publik wurde und somit außerhalb dieses WM-Check-Bemessungszeitraumes liegt, werfen wir hier nur einen kurzfristigen Blick auf den Boom-Effekt für den Brasilien-Account: Dass Neymars überraschende WM-Nominierung seinen eigenen Instagram-Account gefühlt in Brand setzt war zu erwarten. So erreichte ein Reel, das ihn weinend vor Freude mit Freunden zeigt während der Nominierung, innerhalb eines Tages 220 Mio. Aufrufe und 20 Mio. Likes.
Zur Info: Insgesamt kommt Neymar mit 50 Posts im Analysezeitraum auf 200 Mio. Reaktionen, der Brasilien-Account kommt auf 44 Mio..
Aber auch die Kaderbekanntgabe auf dem brasilianischen Account schlug ein: 2 Mio. Likes in nur zwei Tagen, und in den 10.000 Kommentaren dreht sich fast alles um seinen Namen. Sollte Neymar Jr. auch sportlich in den Gruppenspielen performen, könnte der brasilianische Account während der WM noch einen weiteren Push erhalten.
Ancelotti zieht bei Neymar Jr. die Social Media-Bremse an:Goal.com weiß zu berichten, dass für Neymar ein Verhaltenskodex aufgerufen wurde: „a strict new code of conduct, which includes specific advice to limit his exposure on social media“. Bedingungen von Ancelotti an Neymar Jr. sollen beinhalten, dass der mediale Rummel um den Superstar im Rahmen bleiben müsse. Und das beinhaltet auch Neymars Social Media Aktivitäten auf seinen Accounts. Spannend: Das bietet gleichzeitig den Social-Accounts der Selecao die Chance, mit Neymar-Content die Fans zu elektrisieren, weil die Follower nicht mehr wie gewohnt auf Neymars Account entertained werden, könnten sie verstärkt abwandern auf den Team-Account.
Facebook: DFB im Abseits, Gegner Elfenbeinküste in Halbfinale-Form!
Zwar versammeln sich auf dem DFB-Account die viertmeisten Fans auf Facebook. Doch die Top10-Tabelle der User Reaktionen verfehlt Deutschland sogar deutlich mit Rang 13 - einzig Curacao bespielt das Facebook-Feld noch schwächer! Da muss die Frage erlaubt sein: Content im Abseits? Im Vergleich dazu Gruppengegner Elfenbeinküste: Zwar siebenmal weniger Follower, dennoch wird fast das 14fache an User Reaktionen generiert, was Rang 4 bedeutet. Das Erfolgsrezept ist ein hochaktiver Account mit 1.042 Posts, gleichbedeutend mit dem zweitbesten Wert aller Nationen. Die Fans werden dabei rundum versorgt, von News der Jugendmannschaften bis hin zum Männer-WM-Team. Ganz anders der WM-Halbfinalist von 2022: Marokko rockt das Reaktionen-Ranking auf Facebook. Auffällig dabei: Obwohl Frankreich dreimal so viele Fans wie Marokko auf Facebook hat, distanziert Marokko die „L’Equipe tricolore“ deutlich. Die Kommunikationsfreude der marokkanischen Follower darf als Reaktion auf die Content-Qualität gewertet werden.
Marokko: Facebook-Content-Weltmeister
Mit 1.030 Posts im Analysezeitraum – dritthöchster Wert im Vergleich – versorgt Marokko seine Fußballfans mit allem, was das Herz begehrt: Ergebnisse, Spielberichte und natürlich Tore. Wer den marokkanischen Fußball verfolgen will, kommt an dieser Seite nicht vorbei. Auch Glückwünsche an Stars wie Achraf Hakimi zum Ligue-1-Titel dürfen dabei nicht fehlen – schaut selbst.
Facebook-Flaute auf dem DFB-Account
Der DFB versorgt seine Community zwar mit durchaus unterhaltsamen Inhalten: Fragen an die Profis, Nahaufnahmen von Toren und Challenges wie dieser, bei der ein Ball in eine Mülltonne befördert werden muss. Trotzdem reicht es nur zu Rang 13. Das größte Problem ist die niedrige Posting-Rate. Mit nur 148 Beiträgen belegt der DFB den zweitniedrigsten Wert – einzig Curacao bespielt das Facebook-Feld noch schwächer. Auf Facebook gilt: Mit viel Content, viel näher an die Stars.
Brasilien zwischen Boom und Baisse: Trotz Rang 1 im Follower-Ranking nur Platz 10 in der Resonanz-Tabelle! Wenig weltmeisterreif für den Rekordweltmeister. Aber aufgepasst: Der Beitrag im Facebook-Feed vom 20.Mai, der Neymar Jr groß abbildet neben Real Madrid-Star Vinicius Jr, generiert ein extrem starkes User Engagement – und verdeutlicht, welches Push-Potenzial der Superstar für den Facebook-Account der Selecao mitbringt!
Instagram: Oh weh, DFB!
Während Marokko, Portugal und Frankreich als Highperformer auf den Top 3-Rängen im Resonanz-Ranking kommunizieren, offenbart der DFB eine desolate digitale Verfassung auf Instagram. Der fehlende Fleiß ist einer der Gründe, denn auf dem DFB-Team-Account wird den Fans extrem wenig Content geliefert. Sogar die kleine Fußballnation Curacao serviert seinen knapp 90.000 Fans mit 210 Beiträgen noch 47 Postings mehr! Auch DFB-Gruppengegner Ecuador lässt das Nagelsmann-Team in beiden Rankings deutlich hinter sich. Somit droht dem DFB in der Instagram-WM-Wertung bereits das Ausscheiden nach der Gruppenphase.
Marokko: In Topform auf der Plattform Instagram!
Marokko sichert sich auch auf Instagram den ersten Platz. Kein Ereignis geht an den Fans vorbei, kein Star ist zu weit weg: Der Account informiert über alles und lässt die Community nah an die Spieler ran. Ein echtes Vorbild dafür, wie man einen Nationalmannschafts-Account führt. Besonders gut kommen Videos direkt vom Feld an – wie dieses, das zwei Spieler beim Jubel zeigt.
Portugal und der CR7-Faktor
Portugal überzeugt mit Performance Power: Rang 1 auf Instagram (21 Mio. Follower) und Platz 2 bei den Reaktionen (57 Mio.). Diese Werte sind auch geprägt von Superstar Cristiano Ronaldo. Denn neben dem Content-Mix, der auch die Frauen-Nationalmannschaft berücksichtigt, sind es immer wieder auch CR7-Posts, die die Massen bewegen – wie etwa Retro-Clips vom jungen Ronaldo bei der EM 2004.
Insgesamt wurde auf dem portugiesischen Account siebenmal CR7 Content gepostet im einmonatigen Zeitraum vom 6. April – 6.Mai.
Auf seinem eigenen Account lässt CR7 natürlich keine Wünsche offen: professionelle Fußballbilder wechseln sich mit Lifestyle-Einblicken ab – wie hier beim Eisbaden. Hier ein Vergleich: Der fünfmalige Weltfußballer kommt im Analysezeitraum auf satte 500 Mio. Reaktionen, fast zehnmal so viel wie auf dem Portugal-Account eingehen.
Argentinien: Messi nicht annähernd in Ronaldo´s Reichweitennähe
Als amtierender Weltmeister landet Argentinien auf Instagram nur auf Platz 5 mit 18 Mio. Reaktionen - ein solider, aber ausbaufähiger Wert. Im Superstar-Duell kommt Messi nicht einmal annähernd in Reichweitennähe von Cristiano Ronaldo: 250 Mio. Reaktionen von Messi im Vergleich zu 500 Mio. bei CR7. Zudem ist Messi mit etwa 50 Postings auch nur halb so fleißig wie CR7.
Messi-Content beinhaltet hauptsächlich Spielfeld-Szenen seines Clubs Inter Miami sowie Beiträge mit Werbepartnern oder im Familienkreis. Argentinien versucht immer wieder, von dieser Reichweite zu profitieren – wie dieser Argentinien-Post mit Messi-Content, dessen Caption schlicht „Aura" lautet, und auch für hohe Aufrufzahlen sorgt. Insgesamt profitiert Argentinien deutlich weniger von seinem Superstar als Portugal.
Insgesamt wurde Messi nur viermal auf dem Argentinien-Account platziert im einmonatigen Zeitraum vom 6. April – 6.Mai.
Auf TikTok ist das DFB-Team reif für das WM-Finale!
Würde die Taktik auf dem Rasen der TikTok-Taktik entsprechen, hätte die DFB-Elf reelle Chancen auf den Einzug ins WM-Endspiel. Lediglich Frankreich liefert den Fans auf TikTok noch reizstärkere Clips und rockt das Ranking „Impressionen“ mit deutlichem Vorsprung! Nah dran & mittendrin: Die TikTok-Taktik auf dem DFB-Account geht voll auf! Auf TikTok macht der DFB vieles richtig: Die Community bekommt genau das, was sie sehen will: Spieler abseits des Platzes, unterhaltsame Challenges und echte Nähe zur Nationalmannschaft. So entsteht eine starke Verbundenheit, die auch für Sponsoring-Aktivierung beinhaltet – wie diese Challenge mit Coca-Cola zeigt. Überraschender Lowperformer ist der amtierende Weltmeister Argentinien mit den wenigsten Impressionen!
Frankreich: TikTok-Content, der auch bei Nicht-Fußballfans ins Netz geht
Frankreich versorgt die Community mit allem, was ein Fußballfan sehen will: unterhaltsame Challenges, beeindruckende Skills und Aktionen auf dem Feld. Garniert mit einer Portion Humor – sodass auch Nicht-Fußballfans auf ihre Kosten kommen. Bestes Beispiel: Ein Video, in dem der Ex-Frankfurter Etikite auf dem Spielfeld den Schiedsrichter tunnelt – schaut selbst.
Die Gruppengegner der DFB-Elf
Elfenbeinküste: Deutschlands Gruppengegner trumpft auf Facebook auf
Von den drei deutschen Gruppengegnern schafft es nur die Elfenbeinküste in die Facebook-Top-10: Rang 4 und 7 Mio. Reaktionen - ein wirklich beeindruckender Wert. Das Erfolgsrezept: ein hochaktiver Account mit 1.042 Posts im Analysezeitraum – der zweitbeste Wert im gesamten Vergleich. Die Fans werden dabei rundum versorgt: von News der Jugendmannschaften bis hin zur ersten Mannschaft kommt nichts zu kurz.
Ecuador: Mit Herz auf Rang 7
Ecuador überzeugt auf Instagram mit 17 Mio. Reaktionen und Platz 7 im Ranking. Neben Fußball-Content punktet der Account mit emotionalen Momenten – wie diesem rührenden Muttertagsvideo, in dem die Mütter ecuadorianischer Spieler ihre Kinder umarmen – ein Symbol dafür, dass hinter jedem Spieler eine starke Unterstützung steht.
Curaçao: Der kleine Inselstaat mit kleinen Ausreißern
Curaçao belegt in den meisten Rankings den letzten Platz – doch auf Instagram (1,5 Mio. Reaktionen) und TikTok (2 Mio. Impressionen) gibt es kleine Überraschungen: Hier lässt der kleine Inselstaat die Elfenbeinküste und sogar Argentinien hinter sich. Kreative Inhalte wie dieses gut animierte Zeichentrick-Video zeigen die Mission Curaçaos bei der WM – die Caption bringt es auf den Punkt: „Small island. Big quest. One flag."
Finaler Satz
Wenn die Kommunikation der Spieler untereinander auf dem Rasen im Wettkampf und die von DFB-Trainer Julian Nagelsmann in der Kabine sowie in den Gesprächen mit den Spielern nicht optimal verlaufen sollte, sondern ähnlich ungeschickt wie im Vorfeld der WM im Rahmen der öffentlich gemachten Kaderüberlegungen und Nominierungen, dann wird im Achtelfinale leider Endstation sein. Ließe sich jedoch die Performance der TikTok-Kommunikation adaptieren in das Nagelsmann-Team und die jeweilige Match-Taktik, dann ist das Halbfinale machbar;)
Fußballfreundliche Grüße
Friedhelm
Quellen:
Autor/in
Friedhelm Mienert Public Relations
Friedhelm feiert bei uns seit 2017 sein Comeback in der Agenturwelt. Einst zwei Jahrzehnte lang im Zusammenspiel mit klassischen Marketingpartnern erprobt, greift der leidenschaftliche Fußballliebhaber nun in der Tiefe des WWW-Raumes an, um digitale Doppelpässe zu zelebrieren. Auch seine Erfahrung als Journalist und PR-Mann bringt der dreifache Familienvater im webnetz-Team mit ein. Der begeisterte Läufer schwärmt für Amateursportler, die alles geben, was in ihnen steckt.