Auf LinkedIn gewinnt nicht das Bier, sondern das Unternehmen
Die besten Auftritte entstehen dort, wo Marken nicht versuchen, LinkedIn wie einen Werbekanal zu bespielen, sondern wie eine Plattform für Positionierung, Reputation und Arbeitgeberkommunikation verstehen. Ich zeige euch das am beliebten Bier-Beispiel.
Biermarken performen auf LinkedIn nicht dann gut, wenn sie wie Bierwerbung auftreten, sondern dann, wenn sie wie relevante Unternehmen kommunizieren. Genau darin liegt der Unterschied zu Plattformen wie Instagram oder Facebook. Dort können Produktinszenierung, Genussmomente oder Kampagnenästhetik gut funktionieren. Auf LinkedIn gelten andere Erwartungen. Hier geht es stärker um Einordnung, Haltung, Kultur, Karriere, Verantwortung und Glaubwürdigkeit. Und davon können auch andere Branchen was lernen.
Für die Biermarken, heißt das: Nicht die Flasche ist der eigentliche Hebel, sondern das Unternehmen dahinter.
Marken wie Bitburger, Paulaner, Veltins, Krombacher oder auch Flensburger wirken auf LinkedIn dann passend, wenn sie mehr zeigen als Produkt und Markenbild.
Relevant werden sie dort, wenn sie Themen spielen wie:
Unternehmenskultur
Arbeitgebermarke
Herkunft und Historie
Produktion und Qualität
Nachhaltigkeit
Ausbildung und Karriere
regionale Verwurzelung
klare Haltung zur eigenen Marke
Das passt zur Plattformlogik. LinkedIn ist kein Kanal für reine Konsumwerbung. LinkedIn ist ein Kanal für Sichtbarkeit, Reputation, Recruiting und Positionierung. Genau deshalb funktionieren Inhalte über Menschen, Prozesse, Verantwortung und Unternehmensrealität deutlich besser als reine Produktposts.
Die spannendste Frage ist also nicht, welche Biermarke am coolsten wirkt, sondern: Welche Biermarke schafft es am besten, ihren Markenkern in eine glaubwürdige Unternehmenskommunikation auf LinkedIn zu übersetzen?
Denn genau da trennt sich auf der Plattform oft solide Präsenz von wirklich starkem Auftritt.
Vier Markentypen, die man gut unterscheiden kann
1. Die corporate-starke Biermarke
Bitburger, Veltins, Krombacher und in Teilen auch Radeberger wirken auf LinkedIn vor allem wie professionelle, gut aufgestellte Unternehmen. Das ist erst einmal ein Vorteil. Diese Marken bringen vieles mit, was auf LinkedIn gut lesbar ist: Größe, Historie, Struktur, Arbeitgeberrelevanz, Produktionskompetenz und Verlässlichkeit. Ihr Vorteil ist Glaubwürdigkeit. Ihr Risiko ist Austauschbarkeit. Denn wer auf LinkedIn nur korrekt und professionell wirkt, bleibt nicht automatisch hängen.
2. Die modernisierte Traditionsmarke
Paulaner ist hier besonders interessant. Die Marke wirkt traditionsreich, groß und etabliert, gleichzeitig aber modern genug, um nicht nur rückwärtsgewandt zu erscheinen. Genau diese Balance ist auf LinkedIn stark. Tradition wird dann nicht nostalgisch, sondern zur Marke mit Substanz. Modernität wirkt dann nicht beliebig, sondern strategisch weitergedacht. Paulaner zeigt damit einen Typus, der auf LinkedIn sehr gut funktioniert: eine Marke, die ihre Herkunft nicht nur verwaltet, sondern in ein zeitgemäßes Unternehmensbild übersetzt.
„Nicht das Produkt macht den starken LinkedIn Auftritt. Sondern die Geschichte, Haltung und Unternehmensrealität hinter der Marke.
3. Die regionale Kultmarke
Astra und Flensburger leben stärker von Charakter, Haltung, Region und Wiedererkennbarkeit. Das kann auf LinkedIn sehr gut funktionieren, aber nur dann, wenn diese Identität sauber gerahmt wird. Also nicht als reines Kultimage, sondern als klare Markenhaltung mit Unternehmensbezug. Sobald solche Marken auf LinkedIn zu sehr in Richtung Spaß, Szenigkeit oder Konsummotiv kippen, wird es schwierig. Dann wirkt der Auftritt schnell wie eine Übertragung aus anderen Netzwerken und nicht wie ein plattformgerechter Unternehmensaccount. Die Stärke liegt hier in der Eigenständigkeit. Die Herausforderung liegt in der Übersetzung.
4. Die internationale FMCG Marke
Heineken und Carlsberg wirken im Vergleich am stärksten an die Business Logik von LinkedIn angepasst. Sie wirken auf mich international, strategisch, professionell und klar organisiert. Das macht sie plattformgerecht. Sie kommunizieren weniger aus der Perspektive einer Biermarke und stärker aus der Perspektive einer globalen Unternehmensmarke. Themen wie Wachstum, Nachhaltigkeit, Strategie, Portfolio und Professionalität passen deshalb gut in den LinkedIn Kontext. Corona Extra fällt dabei etwas aus dem Raster. Die Marke wirkt stärker lifestyle orientiert und international aufgeladen, aber weniger wie eine klassische Employer Brand.
Die eigentliche Stärke auf LinkedIn
Die stärksten Biermarken auf LinkedIn machen deshalb im Kern drei Dinge richtig:
Sie zeigen nicht nur Marke, sondern Unternehmen.
Sie machen nicht nur Produkte sichtbar, sondern Menschen, Kultur und Realität.
Sie übersetzen ihren Markenkern in Themen, die auf LinkedIn glaubwürdig funktionieren.
Fazit
Biermarken gewinnen auf LinkedIn nicht über Lautstärke, Kult oder Produktästhetik. Sie gewinnen dann, wenn sie als relevante Unternehmen sichtbar werden. Die besten Auftritte entstehen dort, wo Marken nicht versuchen, LinkedIn wie einen Werbekanal zu bespielen, sondern wie eine Plattform für Positionierung, Reputation und Arbeitgeberkommunikation verstehen. Deshalb sind auf LinkedIn nicht automatisch die auffälligsten Biermarken vorne, sondern die, die ihre Identität am saubersten in Unternehmenskommunikation übersetzen.
Und dieses Learning gilt auch für viele andere Branchen und Unternehmen. Zeigt eure Story, eure Werte, euren Unternehmensalltag!
Titelbild: KI generiert
Autor/in
Philip Bolognesi Social Media Marketing
Philip ist bei uns als Social Media Manager aktiv, studierter Kommunikationswissenschaftler und nun seit mehreren Internetzeitaltern in der Social-Media-Welt zuhause. Dort unterwegs als Online-Redakteur, Konzepter und Berater hat er u.a. Thought Leader sowie CEOs auf LinkedIn positioniert und ist ein richtiges Agenturkind. Wenn er nicht gerade Strategien für unsere B2B-Kunden schärft (etwa Profibus und das Johanniter Bildungswerk), steht er in der Halle an der Tischtennisplatte, sitzt auf seinem Gravelbike oder schwingt seine neue erworbenen Kettleballs durch die Luft - die er letztens unter großer Anstrengung aus der Paketstation gefischt hat.